Grundlagen: Windrichtung, Komponenten und Böen
Wind wird in der Luftfahrt immer mit der Richtung angegeben, aus der er weht — ein Wind 270 Grad kommt aus Westen. Für Start und Landung zerlegst du den Wind gedanklich in zwei Komponenten: die Gegen- oder Rückenwindkomponente entlang der Bahn und die Seitenwindkomponente quer dazu. Gegenwind ist dein Freund, denn er verkürzt Start- und Landestrecke; Rückenwind verlängert beide erheblich und ist bei Start und Landung möglichst zu vermeiden.
Die Seitenwindkomponente berechnest du aus dem Winkel zwischen Windrichtung und Bahnrichtung: Sie entspricht der Windgeschwindigkeit multipliziert mit dem Sinus dieses Winkels. Als Faustformel im Cockpit: Bei 30 Grad Differenz wirkt etwa die Hälfte des Windes als Seitenwind, bei 45 Grad rund 70 Prozent, ab 60 Grad rechnest du praktisch mit dem vollen Wind. Dein Flughandbuch nennt eine 'nachgewiesene Seitenwindkomponente' — sie ist formal kein Limit, aber ein sehr ernstzunehmender Richtwert für das, was ein durchschnittlicher Pilot mit dem Muster sicher beherrscht.
Böen sind kurzzeitige Windspitzen, die im METAR mit 'G' angegeben werden, wenn sie den Mittelwind deutlich überschreiten — zum Beispiel 25015G28KT. Der Bodenwind im METAR ist dabei ein Mittelwert über zehn Minuten; die Böe zeigt dir, womit du im kurzen Endanflug wirklich rechnen musst.
Windscherung: Wenn der Wind plötzlich umschlägt
Windscherung (Wind Shear) bezeichnet eine räumlich abrupte Änderung von Windrichtung oder Windgeschwindigkeit. Gefährlich ist sie vor allem in Bodennähe (Low-Level Wind Shear), weil dir dort Höhe und Zeit zum Reagieren fehlen. Die Physik dahinter: Dein Flugzeug fliegt mit einer bestimmten Fahrt gegenüber der Luft. Ändert sich der Wind schlagartig, ändert sich deine angezeigte Fahrt sofort — die Trägheit des Flugzeugs verhindert eine augenblickliche Anpassung der Geschwindigkeit über Grund.
Das kritische Szenario ist der plötzlich abnehmende Gegenwind im Endanflug: Die Fahrtanzeige sackt weg, der Auftrieb bricht ein, die Sinkrate steigt — genau dann, wenn du tief und langsam bist. Ein zunehmender Gegenwind wirkt zunächst wie ein Fahrtgewinn, kann aber beim Durchfliegen der Scherschicht ins Gegenteil kippen. Typische Auslöser für bodennahe Scherung sind Gewitter mit ihren Abwinden und Böenfronten, markante Inversionen (etwa nachts mit einem Low-Level Jet oberhalb der ruhigen Bodenschicht), Frontdurchgänge sowie Gelände und Hindernisse: Hangars, Baumreihen und Hügel erzeugen im Lee mechanische Turbulenz und Rotoren.
Auch der ganz normale Tagesgang schert: Tagsüber mischt die Thermik den stärkeren Höhenwind zum Boden herunter, nachts entkoppelt sich die bodennahe Schicht — deshalb kann der Wind in 1.000 Fuß über Grund nachts deutlich stärker und aus anderer Richtung wehen als am Boden gemeldet.
„Theorie im Van am Spot, Praxis am Wochenende — die App hat den Weg zum Schein entspannt gemacht."Mika · Flugschüler:in mit SoloReady
Praxis: Böiger Endanflug, Seitenwindlandung, Entscheidung
Für böige Bedingungen gilt die bewährte Faustregel: Schlage die Hälfte des Böenanteils auf deine normale Anfluggeschwindigkeit auf. Meldet der Turm Wind 15 Knoten mit Böen 25, sind das 10 Knoten Böenanteil — also etwa 5 Knoten Zuschlag. So behältst du Reserve zur Überziehgeschwindigkeit, wenn eine Böe abrupt abflaut. Gleichzeitig gilt: nicht übertreiben, denn zu viel Fahrt macht das Aufsetzen lang und schwimmig. Viele Muster empfehlen bei starkem Wind zudem eine reduzierte Klappenstellung — dein Flughandbuch entscheidet.
Bei der Seitenwindlandung hältst du den Anflug mit Vorhaltewinkel oder Slip stabil und setzt zuerst mit dem luvseitigen Hauptrad auf, die Längsachse parallel zur Bahn. Nach dem Aufsetzen wandert das Querruder zunehmend voll in den Wind, während du mit dem Seitenruder die Richtung hältst — der Wind hört am Boden nicht auf zu wirken. Beim Start gilt dasselbe Prinzip von Anfang an: Querruder in den Wind, mit zunehmender Fahrt reduzieren.
Die wichtigste Praxisentscheidung fällt aber vor dem Anflug: Vergleiche die gemeldete Seitenwindkomponente ehrlich mit deinem Können und dem Richtwert des Handbuchs — nicht mit deinem Wunschdenken. Ein Ausweichplatz mit besser zum Wind liegender Bahn ist keine Niederlage, sondern gutes Airmanship. Und bei Scherwind-Warnungen oder Gewittern im Platzbereich heißt die Option: warten oder ausweichen, nicht durchprobieren.
Prüfungsrelevanz: Rechnen, Regeln, Reaktionen
In der Theorieprüfung begegnet dir das Thema in drei Formen. Erstens als Rechenaufgabe: Seitenwind- und Gegenwindkomponente aus Windangabe und Bahnrichtung bestimmen. Hier hilft die Sinus-Faustformel (30 Grad = halber Wind, 45 Grad = 70 Prozent, 60 Grad = fast voll) — sie liefert bei Multiple-Choice-Antworten fast immer die richtige Auswahl. Achte auf die Einheiten und darauf, ob nach der Komponente oder dem Gesamtwind gefragt ist.
Zweitens als Verständnisfrage zur Windscherung: Der Klassiker ist der plötzlich abnehmende Gegenwind im Anflug mit der Folge 'Fahrtverlust, erhöhte Sinkrate'. Distraktoren behaupten gern das Gegenteil oder verwechseln die Reihenfolge der Effekte. Merke dir auch die typischen Scherungsauslöser: Gewitter, Inversionen, Fronten, Geländekanten und Hindernisse. Drittens tauchen Verfahrensfragen auf — Böenzuschlag (halber Böenanteil), Querruder in den Wind beim Rollen und Start, Wirkung von Rückenwind auf die Startstrecke.
Eine beliebte Stolperfalle steckt in den Windangaben selbst: Der Wind im METAR ist auf rechtweisend Nord bezogen, die Windangabe vom Turm dagegen missweisend — für die Bahnwahl zählt die Turmangabe, weil auch die Bahnbezeichnung missweisend ist. Mit SoloReady übst du genau diese Mischung aus Rechnen und Regelwissen, bis sie im Prüfungsmodus ohne Nachdenken sitzt.
Beispielfrage im Prüfungsstil
Du willst auf der Bahn 27 landen. Der Turm meldet Wind aus 240 Grad mit 20 Knoten. Wie groß ist die Seitenwindkomponente ungefähr?