Was ein VOR ist und wie es sendet
VOR steht für VHF Omnidirectional Radio Range – auf Deutsch: UKW-Drehfunkfeuer. Die Bodenstation sendet im VHF-Bereich zwischen 108,00 und 117,95 MHz und erzeugt dabei 360 sogenannte Radiale: gedachte Standlinien, die strahlenförmig von der Station nach außen laufen. Ein Radial ist immer die missweisende Peilung von der Station weg – das Radial 090 verläuft also genau magnetisch östlich des VOR.
Jedes VOR sendet zusätzlich eine Morsekennung, mit der du die Station vor der Nutzung identifizierst – nur so bist du sicher, dass du die richtige Anlage empfängst und sie betriebsbereit ist. Die Reichweite ist wie bei allen VHF-Signalen quasi-optisch begrenzt: Je höher du fliegst, desto weiter reicht der Empfang; in Bodennähe können Gelände und Hindernisse das Signal abschatten.
Auf der ICAO-Karte erkennst du VOR-Stationen an ihrem eigenen Symbol mit Kompassrose, Frequenz und Kennung. Viele Anlagen sind mit einem Entfernungsmessgerät kombiniert (VOR/DME), sodass du neben der Richtung auch die Schrägentfernung zur Station bestimmen kannst.
OBS, CDI und TO/FROM: So liest du das Instrument
Im Cockpit bedienst du das VOR über das Anzeigegerät mit dem OBS-Drehknopf (Omni Bearing Selector), der Kursablagenadel (CDI) und der TO/FROM-Anzeige. Mit dem OBS wählst du einen Kurs vor, und die CDI-Nadel zeigt dir, ob du links oder rechts der gewählten Standlinie stehst. Ein Vollausschlag entspricht etwa 10° Ablage, jeder Punkt auf der Skala rund 2°.
Das Entscheidende, das viele Schüler anfangs verwirrt: Die Anzeige ist völlig unabhängig von deinem Steuerkurs. Das Instrument zeigt nur deine Position relativ zur gewählten Standlinie – egal, in welche Richtung die Flugzeugnase zeigt. Die TO/FROM-Anzeige verrät dir dabei, ob der eingestellte Kurs dich zur Station hinführen würde (TO) oder von ihr weg (FROM).
Damit die Nadel als Kommandoanzeige funktioniert – also „Nadel links, fliege nach links“ –, muss der am OBS eingestellte Kurs ungefähr mit deiner Flugrichtung übereinstimmen. Stellst du den Gegenkurs ein, zeigt die Nadel seitenverkehrt (Reverse Sensing) und führt dich in die falsche Richtung. Deshalb gilt: OBS immer passend zur beabsichtigten Flugrichtung einstellen.
„Ich hab jede Pause zum Lernen genutzt — am Prüfungstag war keine einzige Frage eine Überraschung."Lena · Flugschüler:in mit SoloReady
VOR-Navigation im Flug: Tracken, Schneiden, Standort bestimmen
Der häufigste Anwendungsfall ist das Fliegen zur Station: Du drehst am OBS, bis die Nadel bei TO-Anzeige zentriert – der eingestellte Kurs ist dann dein Kurs zur Station. Anschließend hältst du die Nadel mit kleinen Korrekturen in der Mitte und arbeitest den Seitenwind mit einem Vorhaltewinkel aus: Wandert die Nadel trotz korrektem Kurs immer wieder zur selben Seite aus, hältst du ein paar Grad in diese Richtung vor.
Genauso kannst du ein bestimmtes Radial anschneiden und ihm folgen – etwa um einen definierten An- oder Abflugweg einzuhalten. Und mit zwei VOR-Stationen bestimmst du deinen Standort: Zwei Standlinien, ein Schnittpunkt – eine klassische Kreuzpeilung, die in Prüfung und Praxis gleichermaßen vorkommt.
Direkt über der Station wird die Anzeige kurzzeitig unruhig und die TO/FROM-Anzeige springt um – du durchfliegst den sogenannten Verwirrungskegel über der Anlage. Das ist normal: Kurs halten, kurz warten, und nach dem Stationsüberflug stabilisiert sich die Anzeige mit FROM wieder.
Prüfungsrelevanz und typische Stolperfallen
In der Theorieprüfung erwarten dich VOR-Fragen zu Frequenzbereich, Radial-Definition, TO/FROM-Logik, CDI-Ablage in Grad und zu kleinen Szenarien: Wo stehst du, was stellst du ein, was zeigt das Instrument? Wer das Prinzip „Radial = Peilung von der Station, missweisend“ verinnerlicht hat, löst die meisten Aufgaben durch ruhiges Skizzieren.
Die typischen Stolperfallen: Erstens Radial und Kurs zur Station verwechseln – wenn du auf dem Radial 090 stehst und zur Station willst, fliegst du Kurs 270, nicht 090. Zweitens der Irrglaube, die CDI-Anzeige hänge vom Steuerkurs ab – tut sie nicht, sie zeigt ausschließlich die Position zur gewählten Standlinie. Drittens Reverse Sensing übersehen, wenn der OBS auf dem Gegenkurs steht.
Am besten lernst du das mit vielen Szenario-Aufgaben: Position skizzieren, OBS-Einstellung überlegen, Anzeige vorhersagen. In SoloReady trainierst du genau solche VOR-Aufgaben im Prüfungsstil – mit Erklärung zu jeder Antwort, bis die TO/FROM-Logik sitzt.
Beispielfrage im Prüfungsstil
Du befindest dich genau östlich eines VOR und willst direkt zur Station fliegen. Welche OBS-Einstellung ist richtig, damit die CDI-Nadel als Kommandoanzeige funktioniert?