Meteorologie

METAR entschlüsseln in unter einer Minute

Das METAR ist die wichtigste aktuelle Wettermeldung für jeden Flug — und in der PPL-Prüfung ein sicherer Punktelieferant, wenn du den Code beherrschst. Wer die Gruppen einmal verstanden hat, liest jede Meldung flüssig wie einen Satz.

Was ein METAR ist — und wie es aufgebaut ist

METAR steht für 'Meteorological Aerodrome Report': die codierte Routinewettermeldung eines Flugplatzes, die in der Regel alle 30 oder 60 Minuten herausgegeben wird. Anders als der TAF, der eine Vorhersage liefert, beschreibt das METAR das tatsächlich beobachtete Wetter zum Beobachtungszeitpunkt — es ist also dein Blick aus dem Fenster eines fernen Platzes.

Der Aufbau folgt immer derselben festen Reihenfolge: Stationskennung (ICAO-Code, z. B. EDDM für München), Tag und Uhrzeit der Beobachtung in UTC (z. B. 061350Z = 6. des Monats, 13:50 UTC), Wind, Sicht, gegebenenfalls Wettererscheinungen, Bewölkung, Temperatur und Taupunkt, QNH und optional ein Trend. Genau diese feste Reihenfolge macht das Lesen so einfach: Du weißt immer, welche Gruppe als Nächstes kommt.

Ein Beispiel, das wir in den nächsten Abschnitten Stück für Stück auseinandernehmen: EDDM 061350Z 24012G22KT 9999 SHRA SCT025CB BKN040 18/12 Q1015 TEMPO 4000 TSRA.

Die Gruppen im Detail: Wind, Sicht, Wetter, Wolken

Die Windgruppe 24012G22KT liest sich so: Wind aus 240 Grad (rechtweisend!) mit 12 Knoten im Mittel, Böen (G = gusts) bis 22 Knoten. Der Mittelwert bezieht sich auf die letzten zehn Minuten. VRB statt einer Richtung bedeutet umlaufenden Wind, 00000KT ist Windstille. Danach folgt die vorherrschende Sicht in Metern: 9999 heißt 10 Kilometer oder mehr, 4000 wären vier Kilometer.

Wettererscheinungen werden mit Kürzeln codiert: RA = Regen, SHRA = Regenschauer, TSRA = Gewitter mit Regen, DZ = Sprühregen, BR = feuchter Dunst, FG = Nebel, FZRA = gefrierender Regen. Ein Minuszeichen davor bedeutet leichte, ein Plus starke Intensität. Die Wolkengruppen kombinieren Bedeckungsgrad und Höhe: FEW = 1–2 Achtel, SCT (scattered) = 3–4 Achtel, BKN (broken) = 5–7 Achtel, OVC (overcast) = 8 Achtel. Die Zahl dahinter ist die Höhe der Wolkenuntergrenze in Hundert Fuß über Grund — SCT025CB heißt also: 3 bis 4 Achtel Cumulonimbus mit Untergrenze 2.500 Fuß über Platz. Der Zusatz CB oder TCU warnt dich vor konvektiver Bewölkung.

Es folgen Temperatur und Taupunkt in Grad Celsius (18/12; ein vorangestelltes M bedeutet Minusgrade) und das QNH als Q-Gruppe in Hektopascal (Q1015). Ein kleiner Temperatur-Taupunkt-Spread verrät dir Nebel- oder Stratusgefahr — im Beispiel sind es komfortable 6 Grad. Am Ende kann ein Trend für die nächsten zwei Stunden stehen: NOSIG (keine signifikante Änderung), BECMG (dauerhafte Änderung) oder TEMPO (vorübergehend) — TEMPO 4000 TSRA warnt hier vor zeitweiligen Gewitterschauern mit nur vier Kilometern Sicht.

Flugschüler:in beim Lernen für die PPL-Theorie
„Struktur schlägt Talent: jeden Tag 20 Minuten, Schwächen gezielt wiederholt, beim ersten Anlauf bestanden."Tom · Flugschüler:in mit SoloReady

METAR in der Praxis: Vom Code zur Go/No-Go-Entscheidung

In der Flugvorbereitung liest du METARs nie isoliert: Hole dir die Meldungen von Start-, Ziel- und Ausweichplätzen plus Strecke und lege die TAFs daneben. So erkennst du Muster — sinkende Wolkenuntergrenzen entlang der Strecke, ein schrumpfender Spread am Zielplatz gegen Abend, aufziehende Schauerstaffeln. Ein einzelnes METAR ist eine Momentaufnahme; der Vergleich mehrerer Meldungen über zwei, drei Stunden zeigt dir den Trend.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen vier Dinge: der Zusatz CB oder TCU in den Wolkengruppen (Gewitter- und Schauergefahr), Böenangaben in der Windgruppe (Referenz für deinen Böenzuschlag und die Seitenwindkomponente), gefrierende Niederschläge (FZRA, FZDZ — für dein Schulflugzeug ein klares No-Go) und der Trendteil, der dir sagt, ob die Momentaufnahme in zwei Stunden noch gilt. Das QNH aus dem METAR ist zudem der Wert, den du im Anflug in die Höhenmesser-Skala drehst.

Und CAVOK? Das Kürzel ersetzt Sicht-, Wetter- und Wolkengruppen, wenn gleichzeitig gilt: Sicht 10 Kilometer oder mehr, keine Wolken unterhalb von 5.000 Fuß (beziehungsweise unterhalb der höchsten Mindestsektorenhöhe, wenn diese höher liegt), keine CB oder TCU in jeder Höhe und kein signifikantes Wetter. CAVOK ist also eine harte, präzise Definition — nicht einfach 'schönes Wetter'.

Prüfungsrelevanz: Die Dekodier-Fallen kennen

METAR-Fragen sind in der Prüfung reine Fleißpunkte — vorausgesetzt, du kennst die klassischen Fallen. Nummer eins: die Bedeckungsgrade. BKN heißt 5 bis 7 Achtel, nicht 'ungefähr die Hälfte'; SCT sind 3 bis 4 Achtel. Prüfungsfragen testen genau diese Achtel-Grenzen. Nummer zwei: die Wolkenhöhe. Sie wird in Hundert Fuß über Grund (über Platzhöhe) angegeben — nicht über Meereshöhe. BKN015 bedeutet eine Untergrenze von 1.500 Fuß über dem Platz.

Falle Nummer drei ist die Windrichtung: Im METAR ist sie rechtweisend (bezogen auf geographisch Nord), während der Turm missweisende Richtungen funkt — ein beliebter Fragenklassiker. Nummer vier: die CAVOK-Definition mit allen vier Bedingungen; Distraktoren lassen gern die CB/TCU-Bedingung oder die 5.000-Fuß-Grenze weg. Und Nummer fünf: Verwechslung von METAR (Beobachtung) und TAF (Vorhersage) sowie der Trend-Kürzel BECMG und TEMPO.

Der beste Weg, das zu festigen: dekodieren, dekodieren, dekodieren. Nimm dir täglich zwei, drei echte Meldungen deiner Heimatregion vor und übersetze sie laut in Klartext. In SoloReady trainierst du parallel die Prüfungsfragen zum Thema — und merkst schnell, dass METAR-Lesen vom Angstgegner zum sicheren Punktegaranten wird.

Beispielfrage im Prüfungsstil

In einem METAR steht die Gruppe BKN015. Was bedeutet sie?

Erklärung: BKN (broken) steht für 5 bis 7 Achtel Bedeckung. Die Zahl gibt die Höhe der Wolkenuntergrenze in Hundert Fuß über Grund an — 015 entspricht also 1.500 Fuß über Platzhöhe, nicht über Meereshöhe.

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