Die Bausteine der Kraftstoffplanung
Eine saubere Kraftstoffplanung zerlegt den benötigten Kraftstoff in klare Bausteine: Rollkraftstoff (Taxi Fuel) für Anlassen, Rollen und Run-up, Trip Fuel für die eigentliche Strecke von Start bis Landung, gegebenenfalls Ausweichkraftstoff (Alternate Fuel) für den Flug zum Ausweichplatz und schließlich die Endreserve (Final Reserve), die du niemals einplanen darfst, um sie tatsächlich zu verbrauchen. Dazu kommt ein Zuschlag für Unvorhergesehenes – etwa stärkeren Gegenwind oder Umwege.
Grundlage der Rechnung ist der Verbrauch aus dem Flughandbuch, korrigiert um deine Erfahrungswerte mit dem konkreten Flugzeug. Rechne ehrlich: mit realistischer Leistungssetzung, realistischer Höhe und realistischem Gemisch. Wichtig ist auch der Unterschied zwischen Gesamttankinhalt und ausfliegbarem Kraftstoff (usable fuel) – der nicht ausfliegbare Rest steht dir im Flug schlicht nicht zur Verfügung.
Für Privatpiloten in Europa gilt der Rahmen der Part-NCO-Regeln: Du darfst einen Flug nur beginnen, wenn das Flugzeug genug Kraftstoff für die geplante Strecke plus Reserven an Bord hat. Als Faustwert für die Endreserve gelten bei Flügen nach Sichtflugregeln am Tag mindestens 30 Minuten Flugzeit in normaler Reiseflughöhe, bei Nacht mindestens 45 Minuten.
Von der Tabelle zur Zahl: So rechnest du konkret
Der Ablauf ist immer gleich: Zuerst bestimmst du die Flugzeit für die Strecke aus Distanz und Groundspeed – also inklusive Windkorrektur. Dann multiplizierst du die Flugzeit mit dem stündlichen Verbrauch und erhältst den Trip Fuel. Beispiel: 1 Stunde 30 Minuten Flugzeit bei 32 Litern pro Stunde ergeben 48 Liter Trip Fuel. Dazu addierst du Taxi Fuel, einen Zuschlag für Unvorhergesehenes, gegebenenfalls Alternate Fuel und die Endreserve – bei 30 Minuten und 32 l/h also weitere 16 Liter.
Steig- und Sinkflug verdienen einen zweiten Blick: Im Steigflug ist der Verbrauch pro Stunde deutlich höher als im Reiseflug, gleichzeitig ist die Groundspeed geringer. Bei kurzen Flügen mit hohem Steiganteil kann das den Gesamtverbrauch spürbar erhöhen. Viele Handbücher geben dafür eigene Werte oder Pauschalen für Start und Steigflug an – nutze sie.
Am Ende steht die Gegenprobe: Passt die errechnete Menge in die Tanks, und liegt die Startmasse noch innerhalb der Grenzen? Kraftstoffplanung, Masse und Schwerpunkt hängen zusammen – volle Tanks plus volle Sitze funktionieren bei vielen Viersitzern schlicht nicht.
„Struktur schlägt Talent: jeden Tag 20 Minuten, Schwächen gezielt wiederholt, beim ersten Anlauf bestanden."Tom · Flugschüler:in mit SoloReady
Im Flug: Kraftstoffmanagement statt Hoffnung
Die Planung am Boden ist nur die halbe Miete – im Flug musst du sie überwachen. Notiere die Startzeit, führe in sinnvollen Abständen einen Kraftstoffcheck durch und vergleiche den tatsächlichen Verbrauch mit deiner Planung: verbleibende Menge geteilt durch Verbrauch ergibt die verbleibende Flugzeit. Weicht die Realität ab – stärkerer Gegenwind, Umwege, längeres Warten – dann entscheide früh, nicht erst wenn die Tankanzeige nervös macht. Tankanzeigen in Leichtflugzeugen sind übrigens notorisch ungenau; deine Uhr und dein bekannter Verbrauch sind die verlässlichere Quelle.
Bei Flugzeugen mit mehreren Tanks gehört das Umschalten nach einem festen Schema dazu – viele Kraftstoffnotlagen entstehen nicht durch leere Tanks, sondern durch einen leeren angewählten Tank, während im anderen noch Kraftstoff schwappt. Checkliste, Timer, System.
Und wenn es doch eng wird: Kommunikation rettet. Wenn absehbar ist, dass du mit weniger als der geplanten Endreserve landen wirst, gehört eine klare Meldung an die Flugsicherung dazu – im äußersten Fall die Dringlichkeits- oder Notmeldung. Entscheidend ist die innere Haltung: Die Endreserve ist tabu. Wer sie anknabbert, hat vorher mehrere Ausstiegspunkte verpasst – der frühzeitige Tankstopp ist immer die bessere Geschichte.
Prüfungsrelevanz: Diese Fragen kommen fast sicher
In der Theorieprüfung sind Rechenaufgaben zur Kraftstoffplanung Standard: Aus Strecke, Groundspeed und Verbrauch den Trip Fuel bestimmen, Reserven addieren und die Mindestmenge beim Start berechnen. Die 30-Minuten-Reserve für VFR am Tag und die 45 Minuten bei Nacht solltest du im Schlaf kennen – sie tauchen in vielen Varianten auf.
Typische Stolperfallen: Erstens die Einheiten – Liter, US-Gallonen und Kilogramm werden gern gemischt; prüfe immer, in welcher Einheit Frage und Antwortoptionen formuliert sind. Zweitens der Unterschied zwischen Gesamt- und ausfliegbarem Kraftstoff: Gerechnet wird mit dem ausfliegbaren Anteil. Drittens das Vergessen einzelner Bausteine – wer nur Trip Fuel und Endreserve addiert, aber Taxi Fuel oder den Ausweichplatz unterschlägt, landet bei der falschen Antwortoption, die selbstverständlich angeboten wird.
Mit SoloReady rechnest du solche Aufgaben Schritt für Schritt durch – mit Erklärungen, die dir zeigen, welcher Baustein dir gefehlt hat. So wird aus der Rechnerei eine Routine, die dir später bei jedem echten Flugvorbereitungs-Briefing hilft.
Beispielfrage im Prüfungsstil
Du planst einen VFR-Flug am Tag nach Part-NCO. Die Strecke erfordert 72 Minuten Flugzeit bei einem Verbrauch von 30 l/h, für Anlassen und Rollen rechnest du 3 Liter. Welche Kraftstoffmenge muss mindestens an Bord sein (ohne Ausweichplatz und ohne weitere Zuschläge)?