Grundlagen des Fliegens

Stall: Wenn der Flügel plötzlich nicht mehr trägt

Der Strömungsabriss ist eines der meistgeprüften Themen der PPL-Theorie – und einer der häufigsten Faktoren bei Unfällen in der Platzrunde. Wer versteht, warum ein Flügel abreißt, erkennt die Warnzeichen früh und reagiert im Ernstfall richtig.

Was ist ein Strömungsabriss?

Ein Strömungsabriss (Stall) entsteht, wenn der kritische Anstellwinkel überschritten wird. Bis zu diesem Winkel folgt die Luftströmung der Flügeloberseite und erzeugt Auftrieb – je größer der Anstellwinkel, desto größer der Auftriebsbeiwert. Jenseits des kritischen Anstellwinkels kann die Strömung der Profilkontur nicht mehr folgen: Sie löst sich ab, wird turbulent, und der Auftrieb bricht schlagartig ein, während der Widerstand stark zunimmt.

Der entscheidende Punkt, den viele Flugschüler zunächst falsch verstehen: Ein Stall ist keine Frage der Geschwindigkeit, sondern des Anstellwinkels. Ein Flügel kann bei jeder Geschwindigkeit und in jeder Fluglage abreißen – auch mit voller Motorleistung im Steigflug oder beim harten Abfangen mit hoher Fahrt. Die vielzitierte Überziehgeschwindigkeit ist nur die Geschwindigkeit, bei der im unbeschleunigten Horizontalflug der kritische Anstellwinkel erreicht wird.

Überziehgeschwindigkeit, Lastvielfaches und Konfiguration

Im Flughandbuch findest du typischerweise zwei Werte: die Überziehgeschwindigkeit in Landekonfiguration (VS0, mit vollen Klappen) und in der definierten sauberen Konfiguration (VS1). Ausgefahrene Klappen erhöhen den Auftriebsbeiwert und senken damit die Überziehgeschwindigkeit – deshalb kannst du mit Klappen langsamer und steiler anfliegen.

Die Überziehgeschwindigkeit ist aber keine feste Zahl. Sie steigt mit dem Gewicht und vor allem mit dem Lastvielfachen: In einer Kurve muss der Flügel zusätzlich zur Gewichtskraft die Zentrifugalkraft ausgleichen. Die Überziehgeschwindigkeit wächst mit der Wurzel des Lastvielfachen – in einer koordinierten 60-Grad-Kurve wirken 2 g, und die Stallspeed liegt rund 40 Prozent über dem Wert des Geradeausflugs. Aus 50 Knoten werden so schnell über 70 Knoten.

Merke dir außerdem: Die angezeigte Überziehgeschwindigkeit bleibt in verschiedenen Höhen näherungsweise gleich, weil Fahrtmesser und Auftrieb vom selben Staudruck abhängen. Was sich mit der Höhe ändert, ist die wahre Eigengeschwindigkeit, nicht der angezeigte Wert.

Flugschüler:in beim Lernen für die PPL-Theorie
„Ich hab jede Pause zum Lernen genutzt — am Prüfungstag war keine einzige Frage eine Überraschung."Lena · Flugschüler:in mit SoloReady

Im Cockpit: Warnzeichen erkennen und richtig ausleiten

Ein Stall kündigt sich fast immer an: Die Ruder werden weich und wirken verzögert, die Fahrt nimmt ab, es kann zum Schütteln (Buffeting) kommen, weil abgelöste Strömung das Höhenleitwerk trifft, und bei den meisten Schulflugzeugen ertönt kurz vor dem Abriss die Überziehwarnung. Wer diese Zeichen kennt, leitet aus, bevor es überhaupt zum vollen Strömungsabriss kommt.

Die Recovery folgt immer demselben Prinzip: Zuerst den Anstellwinkel verringern – Höhenruder nachlassen, Nase unter den Horizont. Dann Leistung setzen, um den Höhenverlust zu minimieren. Hängende Flächen richtest du in Stallnähe primär mit dem Seitenruder auf, denn großer Querruderausschlag kann den Abriss am abgesenkten Flügel verschärfen und eine Trudelbewegung einleiten. Erst wenn die Strömung wieder anliegt, koordiniert abfangen und in den Steigflug übergehen.

Besonders kritisch sind Stalls in Bodennähe: die enge, zu langsam geflogene Kurve vom Queranflug in den Endanflug, das Durchstarten mit voller Klappenstellung oder der zu steile Steigflug nach dem Start. Genau hier entstehen die klassischen Unfallszenarien – und genau deshalb übst du Slow Flight und Stall-Recovery in sicherer Höhe, bis die Reaktion sitzt.

Prüfungsrelevanz und typische Stolperfallen

In der PPL-Theorieprüfung ist der Stall ein Dauergast im Fach Grundlagen des Fliegens. Gefragt wird nach der Ursache (kritischer Anstellwinkel überschritten – nicht: zu langsam geflogen), nach dem Einfluss von Gewicht, Klappen und Lastvielfachem auf die Überziehgeschwindigkeit und nach der korrekten Reihenfolge beim Ausleiten.

Die beliebteste Stolperfalle: Antwortoptionen, die den Stall an eine feste Geschwindigkeit knüpfen. Richtig ist immer die Formulierung über den Anstellwinkel. Zweite Falle: der Einfluss der Querlage – viele unterschätzen, wie stark die Stallspeed in steilen Kurven ansteigt. Dritte Falle: die Rolle des Querruders in Stallnähe. Wenn du diese drei Konzepte sauber trennst, sitzen die Punkte. In SoloReady trainierst du genau diese Fragenmuster, bis du sie im Schlaf beherrschst.

Beispielfrage im Prüfungsstil

Unter welcher Bedingung kommt es an einem Tragflügel zum Strömungsabriss?

Erklärung: Ein Stall entsteht ausschließlich durch das Überschreiten des kritischen Anstellwinkels. Das kann bei jeder Geschwindigkeit und in jeder Fluglage passieren – etwa beim harten Abfangen mit hoher Fahrt. Die Überziehgeschwindigkeit beschreibt nur den Sonderfall des unbeschleunigten Horizontalflugs.

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