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Allgemeine Luftfahrzeugkunde

Der Magnetkompass lügt – und du weißt genau, wann

Der Magnetkompass ist dein einziges völlig autarkes Kursinstrument – er braucht weder Strom noch Unterdruck. Genau deshalb musst du für die PPL-Theorieprüfung und für jeden Flug wissen, in welchen Situationen er falsch anzeigt und wie du seine Fehler richtig deutest.

Was der Magnetkompass eigentlich misst

Der Magnetkompass richtet sich am Erdmagnetfeld aus: Eine Kompassrose mit fest verbundenen Stabmagneten schwimmt pendelnd aufgehängt in einer Dämpfungsflüssigkeit und dreht sich so, dass die Magnete zur magnetischen Nordrichtung zeigen. Abgelesen wird der missweisende Steuerkurs – also der Kurs bezogen auf magnetisch Nord, nicht auf geografisch Nord.

Zwei Korrekturen musst du dabei immer im Kopf haben: Die Ortsmissweisung (Variation) ist der Winkel zwischen geografisch und magnetisch Nord und steht in deiner Luftfahrtkarte. Die Deviation entsteht durch magnetische Störfelder im Flugzeug selbst – Bordelektrik, Metallteile, Avionik – und wird nach der Kompensierung in der Deviationstabelle neben dem Kompass dokumentiert.

Das Erdmagnetfeld hat außerdem eine vertikale Komponente, die sogenannte Inklination: Die Feldlinien verlaufen nur am magnetischen Äquator parallel zur Erdoberfläche und tauchen zu den Polen hin immer steiler ab. Diese Vertikalkomponente zieht an den pendelnd aufgehängten Magneten – und genau daraus entstehen die berühmten Dreh- und Beschleunigungsfehler.

Drehfehler und Beschleunigungsfehler im Detail

Drehfehler treten am stärksten auf, wenn du durch Nord- oder Südkurse kurvst. Auf der Nordhalbkugel gilt: Beim Eindrehen auf Nordkurs eilt die Anzeige nach – der Kompass zeigt zu wenig Drehung, anfangs sogar kurz eine Drehung in die falsche Richtung. Beim Eindrehen auf Südkurs eilt die Anzeige vor. Die Merkregel aus dem englischen Sprachraum: UNOS – Undershoot North, Overshoot South. Du musst also vor Erreichen von Nordkursen früher ausleiten und bei Südkursen über den angezeigten Kurs hinausdrehen.

Als Faustformel entspricht die Größe des Drehfehlers ungefähr der geografischen Breite – in Mitteleuropa also grob 30 bis 50 Grad Vorhalt beim Ausleiten auf Nord- oder Südkurs, abhängig von Querlage und Kurvenrichtung. Auf Ost- und Westkursen ist der Drehfehler dagegen minimal.

Beschleunigungsfehler zeigen sich genau umgekehrt am stärksten auf Ost- und Westkursen: Beschleunigst du, zeigt der Kompass eine scheinbare Drehung nach Norden; verzögerst du, eine scheinbare Drehung nach Süden. Merkregel: ANDS – Accelerate North, Decelerate South. Ursache ist wieder die pendelnde Aufhängung: Trägheitskräfte kippen das Magnetsystem, und die Vertikalkomponente des Erdmagnetfelds dreht die Rose aus der korrekten Richtung. Auf der Südhalbkugel kehren sich beide Effekte um.

Flugschüler beim Lernen für die PPL-Theorie
„Seit ich Dreh- und Beschleunigungsfehler kenne, misstraue ich sogar meinem Autokompass beim Anfahren an der Ampel."Mika · Flugschüler mit SoloReady

So gehst du im Cockpit damit um

Die wichtigste Praxisregel: Der Magnetkompass zeigt nur im unbeschleunigten, geraden Horizontalflug zuverlässig an. In der Kurve, beim Beschleunigen im Steigflug nach dem Start oder beim Abfangen liest du ihn gar nicht erst ab – du wartest, bis sich die Anzeige beruhigt hat.

Im Alltag fliegst du deshalb nach dem Kurskreisel: Er ist frei von Dreh- und Beschleunigungsfehlern, wandert aber mit der Zeit aus. Alle 10 bis 15 Minuten stellst du ihn im ruhigen Geradeausflug nach dem Magnetkompass nach – so kombinierst du die Stabilität des Kreisels mit der Langzeitgenauigkeit des Kompasses.

Wenn der Kurskreisel einmal ausfällt, helfen dir Zeitkurven weiter: Mit einer Standardkurve von 3 Grad pro Sekunde drehst du die gewünschte Kursänderung einfach nach der Uhr und kontrollierst das Ergebnis erst nach dem Ausleiten am beruhigten Kompass. So umgehst du die Drehfehler komplett.

Prüfungsrelevanz und typische Stolperfallen

In der PPL-Theorie gehören Kompassfehler zu den Klassikern in Allgemeiner Luftfahrzeugkunde und Navigation. Gefragt wird typischerweise: Auf welchen Kursen tritt welcher Fehler am stärksten auf, in welche Richtung zeigt die Fehlanzeige, und wie verhält es sich auf der Südhalbkugel?

Stolperfalle Nummer eins: Dreh- und Beschleunigungsfehler verwechseln. Präge dir das Paar ein – Drehfehler sind auf Nord- und Südkursen maximal, Beschleunigungsfehler auf Ost- und Westkursen. Stolperfalle Nummer zwei: die Richtung der Fehlanzeige. UNOS und ANDS gelten für die Nordhalbkugel; taucht in der Frage die Südhalbkugel auf, drehen sich die Antworten um.

Dritte Falle: Viele verwechseln Variation und Deviation. Variation ist eine Eigenschaft des Ortes (steht in der Karte), Deviation eine Eigenschaft deines Flugzeugs (steht auf der Deviationstabelle). Wer diese Begriffe sauber trennt und die beiden Merkregeln sicher anwendet, holt sich in diesem Themenfeld sehr sichere Punkte.

Beispielfrage im Prüfungsstil

Dein Magnetkompass ist mitten im Beschleunigen plötzlich beleidigt und zeigt kurz Unsinn. Welche seiner kleinen Marotten ist auf der Nordhalbkugel der wahrscheinlichste Grund?

Erklärung: Der Magnetkompass zeigt bei Beschleunigung und Verzögerung kurzzeitig falsche Kurse an, weil die Kompassrose träge ist und sich neigt. Er misst immer magnetisch, nie geografisch, und lässt sich weder aufladen noch abschalten.

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